Culcha Candela |
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| Label: | homeground records - Berlin Styleheads - Berlin | ||
| Web: | http://www.culchacandela.de | ||
| Myspace: | http://www.myspace.com/culchacandela | ||
| Interviews: | Culcha Candela beim Summerbreak | ||
Rewind & Pull Up
Wir schreiben das Jahr 2002. Deutschland übt sich noch immer im Umrechnen von der Mark in den Euro, die Fußball-WM in Japan und Korea sorgt für „Ooohs“ und „Aaahs“ auf den Straßen und endlich ist der Sommer tatsächlich wieder klimatisch spürbar. Das ganze Land ist mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt.
Das ganze Land? Nicht ganz! Sieben junge Männer aus Berlin tun sich zusammen, um Musik zu machen - und sie haben einen Wunsch: Sie möchten die Welt ein wenig verändern.
2002 ist das Gründungsjahr von Culcha Candela.
Diese Band ist einzigartig in ihrer Erscheinung. Sieben Menschen unterschiedlichster Herkunft tun sich zusammen, um mit- und nicht gegeneinander zu existieren. Oder anders gesagt: um Musik zu machen. Die Mixtur der unterschiedlichen Kulturen in der Band schafft einen noch nie da gewesenen Vibe, denn die Herkunftsländer der Gruppenmitglieder lesen sich wie die Anwesenheitsliste der halben UNO-Vollversammlung: Larsito, Don Cali, Lafrotino – aus Kolumbien, Johnny Strange – aus Uganda, Itchyban – aus Polen, Chino con Estilo – aus Korea und Mr. Reedoo aus Deutschland. Da kann man getrost das staubige Roberto-Blanco-Portrait wegräumen, Deutschland darf sich endgültig von seinen Klischee-Vorzeigeausländern trennen. Culcha Candela sind da!
In den kommenden Jahren folgen etliche Live-Touren durch die gesamte Republik und darüber hinaus, 2004 rotieren die ersten beiden Videos, das Culcha-Debüt-Album Union Verdadera erscheint und landet in den Charts – die Culcha-Flamme lodert.
Breathe and Cut
Erst ein Jahr ist vergangen seit Union Verdadera und doch ist es schon an der Zeit für den Aufbruch: "Es ist ein anderes Level, die nächste Stufe", so Don Cali. Das neue Album Next Generation ist fertig – und es wurde gefeilt, dass die bunten Späne nur so flogen: "Wir haben versucht, die Songs konsequenter anzugehen und auszuarbeiten, so dass die Struktur mehr stimmt. Der Culcha-Sound, der Culcha-Gedanke ist derselbe, aber mit ´ner Brise neuer Qualität – das hoffen wir zumindest!", sagt Larsito. "Wir haben untereinander mehr Kritik angebracht, da haben wir uns auf jeden Fall verändert", so Johnny zum Arbeitsprozess. "Wir sind reifer geworden", ergänzt Mr. Reedoo, "das neue Album hat auch mehr Livecharakter. Fast die ganze Musik ist live eingespielt, dadurch hat das zweite Album viel mehr Luft zum atmen und relaxen."
In der Tat bemerkt man beim ersten Hören des Albums den organischen Charakter der Tracks: Ob bei Next Generation (erste Single und Titeltrack des Albums), einem easy-melodiös swingenden, aber auch durch neue emotionale Tiefe beeindruckenden Reggaetune oder der Anti-Kriegs-Hymne More Peace, die auf brilliante Weise HipHop-Groove mit Vintage-Rock-Sound verbindet - man spürt, wie die Musik von Culcha Candela ganz erdig ihre Wurzeln geschlagen hat. Aber auch Songs wie der souverän groovende Salsa-Reggae-Mix Jeder Tag ist einComeback (übrigens als Kollaboration mit Mellow Mark und MARTIN JONDO der erste Featuretrack auf einem Album der Band) oder der unverschämte Gute-Laune-Kracher Partybus zeigen, dass die Band gewachsen ist. Gewohnt druckvolle Livebouncer wie Fuego und Tanz!, das dubbig-blubbernde Ska-Prachtstück Who got the Key oder der Delinquent-Habits Latin-Lingo-Hommage Una Cosa... zeigen eine noch größere Bandbreite als das Debütalbum und wirken dabei erstaunlicherweise trotzdem mehr wie aus einem Guß. Gerade in Punkto Aufbau und Dramaturgie haben Culcha Candela und Produktions-Mastermind Krutsch, der erneut - bis auf zwei Nummern - für die gesamte Musik verantwortlich zeichnet, ihre Lektion definitiv gelernt. Next Generation ist keineswegs eine zufällige Zusammenstellung von 14 Tracks, sondern ein echtes Album. Vielleicht sogar ein kleines Meisterwerk.
Einmal tief einatmen, ein neuer und frischer Wind weht bei Culcha!
Alive
Kommen wir noch mal kurz auf den vielleicht wichtigsten Faktor, der das Gesamtbild der Band prägt:
Liveshows! Nach zwei Jahren regelmäßigem, ja konstantem Touren ziehen Culcha Candela Bilanz: "Ein großer Vorteil ist, dass die Leute die Texte mittlerweile kennen und mitsingen - das ist auf jeden Fall ein cooles Gefühl! Als wir nach einer kurzen Pause wieder auf Tour gingen, dachten wir `was ist denn hier los?´ Da guckst du in die erste Reihe, die zweite Reihe, die dritte Reihe - und die Leute singen die Refrains mit. Das ist sehr nice!", schildert Johnny Strange. Der Autor dieser Zeilen kann nur noch einmal betonen: Eine Culcha Candela-Liveshow ist absolut sehenswert! Da folgt einer Latino-Power-Rapsession eine afrikanische Choruseinlage, siebenfache Moves und Tanzeinlagen zaubern ein optisches Feuerwerk und sanfte Reggae-Croons von Mr. Reedoo sorgen für Gänsehautstimmung und Feuerzeugmeere. Diese Qualitäten brachten Culcha Candela den Ruf als eine der besten Livebands der Republik und vielleicht darüber hinaus. Kein Wunder also, dass Größen wie Gentleman, die Söhne Mannheims oder Frankreichs Mega-HipHop-Combo "Saian Supa Crew" die Bühne mit den sieben Jungs teilten und sie im Vorprogramm spielen ließen...
Things Fall Apart
Der Wunsch von Culcha Candela das Land und sein Denken zu verändern ist stark – doch es gibt noch viel zu tun. Denn in einer anderen „Gemeinschaft“, leider genau jener, die zur Zeit den gesellschaftspolitischen Diskurs bestimmt, ist die Sicht der Dinge deutlich pessimistischer: "Die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert!", lässt eine inzwischen zwar besser frisierte, jedoch immer noch farb- und freudlos dreinblickende Kanzlerkandidatin im Bundestag verlauten - und weiß wahrscheinlich nicht, in welchem Widerspruch diese Aussage zum alltäglichen Miteinander in der Hauptstadt steht. Von welchem Stern mag die Frau gekommen sein?
Tatsächlich brennt sich diese Aussage wie ein Messerstich ins Herz der multikulturellen Metropole. Mehr noch: So ziemlich jede Stadt in Deutschland fühlt diesen Schmerz, denn diese Worte ignorieren die Realität und blenden die Existenz einer ganzen Generation aus. Braucht es denn noch einen gegenteiligen Beweis zu ihrer These?
The Next Generation
"Schau mal: Wir sind der beste Beweis, denn uns gibt es! Wir haben einen Alltag, wir leben mittendrin. Man kann nicht sagen, das irgendetwas oder -jemand scheitert!", sagt Lafrotino. Mr. Reedoo fügt hinzu: "Wenn man sich auf den Schulhöfen umschaut, wie die ethnische Struktur aussieht, ist das breit gemischt! Wenn die jetzt von `Scheitern´ sprechen, reden die vielleicht davon, dass sie das Miteinander der Menschen mit unterschiedlichster Abstammung nicht verhindern konnten...“
Doch wollen wir kein Öl ins schwarz-bräunlich schimmernde Feuer kippen und die Parteipolitik wieder in die Tasche packen: Culcha Candelas Erscheinung ist Statement genug. Sieben Menschen mit ihren Wurzeln in fünf Ländern bzw. vier Kontinenten machen Musik. Diese Kombination kreiert den ureigenen Culcha Sound - Latin, Reggae, Salsa, HipHop - viele Sounds und Einflüsse finden sich in den Tracks der Candeleros wieder, Songs mit Botschaften und Geschichten. Die Welt ist groß, und Culcha Candela nimmt uns mit! Für alles ist Platz, außer für Grenzen.
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